
(Werbung /PR-Exemplar)
Schon lange (und spätestens seit dem Buchtipp von Katharina Mahrenholz bei eat.read.sleep) steht “Trophäe” von Gaea Schoeters auf meiner Bücher-Wunschliste. Umso mehr habe ich mich gefreut, als der btb Taschenbuchverlag mir nun das soeben erschienene Taschenbuch des Debüterfolgs aus 2024 zugeschickt hat. Fast zeitgleich drückte mir dann unsere Stadtbücherei auch den aktuellen Roman “Das Geschenk” in die Hand und so habe ich das letzte Wochenende mit den Werken dieser Ausnahmeautorin verbracht. Wie mir die Bücher gefallen haben? Lies gern selbst:
Wer ist die Autorin Gaea Schoeters?
Auf ihrem Instagram Profil beschreibt sich die flämische Autorin selbst als Autorin, Liberetistin, Dramaturgin, Reisende, Mottorradfahrerin und einen “lucky bastard”. Für ihr Debüt “Trophäe” hat die Niederländerin extra Deutsch gelernt. Die 1976 geborene Autorin hat bereits 2012 den Großen Preis Jan Wauters für ihren kreativen Umgang mit Sprache gewonnen. Für ihr Debüt “Trophäe” vor zwei Jahren wurde sie mit dem Literaturpreis Sabam for Culture ausgezeichnet. Kürzlich erschien mit “Das Geschenk” ihr aktuelles Buch, beides aus dem Niederländischen von Lisa Mensing übersetzt, und der aktuelle Roman bei Zsolnay erschienen. Nach dem großen Erfolg ist “Trophäe” gerade als Taschenbuch bei btb mit 256 Seiten erschienen.

Buchtipp: Trophäe
Die Niederländerin Gaea Schoeters spielt in ihrem Roman “Trophäe” ein Gedankenexperiment durch.
“Hunter White, steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger, hatte schon fast alles vor dem Lauf. Endlich bietet ihm sein Freund Van Heeren ein Nashorn zum Abschuss an und damit die Chance, die »Big Five« vollzumachen. Hunter reist nach Afrika, doch dort wird sein Vorhaben jäh von Wilderern durchkreuzt. Er sinnt auf Rache, als ihn Van Heeren fragt, ob er schon einmal von den »Big Six« gehört habe. Ersatzweise könne er ihm eine andere Trophäe zum Abschuss anbieten, eine menschliche Trophäe. Die Tiefenschärfe, mit der sie die Geräusche und Gerüche der Natur beschreibt, lässt einen sinnlich erleben, was einen moralisch an die Grenzen zwischen Richtig und Falsch führt.” (Quelle)
Es ist also eine sehr perfide Geschichte über (Post-)Kolonialismus und Ethik. Die Hauptfigur Hunter White (ja er heißt wirklich so!) lässt sich in der modernen Geschichte nicht nur auf einen Deal mit afrikanischen Wilderern ein, die ihm die Jagd auf einen Menschen vorschlagen. Die Autorin zeichnet ihn als Menschen, der sich durchaus ethischer und moralischer Grauzonen bewusst ist und vor eine Entscheidung gestellt wird.
Oder wie Hunter selbst sagt: “Er mag Afrika nicht, aber da er seine Flora und Fauna schätzt, toleriert er den Kontinent.” Im Lauf der Geschichte verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Jäger und Beute, Mensch und Tier immer mehr. Als Leser*in habe ich mich sofort in einem schmerzhaften Dilemma befunden. Der koloniale Blick auf Afrika regt in jedem Fall sehr zum Nachdenken an.
Wie sie zur Idee dieses Plots gekommen ist, erzählt sie hier in einem Interview: “Beim Scrollen auf Facebook stieß ich auf eine kleine Anzeige für eine Trophäenjagd auf eine seltene Steinbock-Art in Pakistan, in der es auch hieß, dass mit dem Geld für die Jagdlizenz ein Schutzprogramm initiiert werden soll. Eine seltene Spezies jagen, um die Umwelt zu schützen, das klang so paradox und ließ mich stutzen, und so begann ich ein wenig über Trophäenjagd zu recherchieren. Kurz darauf stolperte ich über ein Foto von David Chancellor – ein Bild von einem Großwildjäger in seinem Trophäenzimmer voller ausgestopfter Giraffen, Löwen etc. In einer Millisekunde hatte ich die Geschichte vor Augen – ein seltener Glücksfall. Viele Leser*innen haben mir erzählt, dass sie anfangs keine Lust hatten, einen Roman über das Jagen zu lesen, da sie gegen das Jagen waren. Und ich bin sehr glücklich, wenn ich jetzt oft höre, dass sie, sobald sie in das Buch und in Hunters Welt eingetaucht waren, genau so fasziniert waren wie ich.” (Quelle)
So in etwa lässt sich auch mein Leseeindruck beschreiben…

Oft habe ich mir selbst die Frage gestellt, wie mein Afrika-Bild heute eigentlich aussieht?! Das Buch ist eine moderne Parabel und lies mich sehr nachdenklich und traurig zurück. Ich kann es dennoch empfehlen.
Nach der harten Kost um die Trophäen-Jagd in Afrika habe ich gedacht, Gaea Schoeters würde im nächsten Roman eventuell den afrikanischen Kontinent verlassen – dies ist aber nicht passiert. Auf das Nashorn ist jetzt in “Das Geschenk” ein Elefant gefolgt -nicht nur auf dem Cover.
Buchtipp: Das Geschenk
Das Geschenk“ ist Gaea Schoeters zweiter Roman nach ihrem Überraschungserfolg „Trophäe“ und er ist mindestens so klug konstruiert wie der erste. Die Autorin schreibt auch hier wieder über die Idee einer Versuchsaufstellung mit Elefanten und ihre Faszination an post-kolonialen Themen folgen wir Leser*innen auch im neuen Roman.
Hier geht es um über die unausweichlichen globalen Fragen aus europäischer Perspektive!
“Elefanten mitten in der Großstadt, und es werden immer mehr. Was geht hier vor? Rasch muss der Bundeskanzler erkennen, dass die Tiere nicht aus dem Zoo entkommen, sondern ein Geschenk des Präsidenten von Botswana sind. 20 000 Elefanten hat er nach Deutschland geschickt, nachdem die deutsche Regierung ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen beschlossen und damit den armen Regionen Botswanas die Lebensgrundlage entzogen hat. “Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr es einmal selbst versuchen …”, so die Regierung Botswanas.
Gaea Schoeters nähert sich nach ihrem Sensationserfolg “Trophäe” den existenziellen Themen des globalen Zusammenlebens aus einer anderen Richtung – und mit blitzgescheitem Humor. Ein neues Lese- und Nachdenkvergnügen!” (Quelle)
Auch hier hat mich sehr interessiert, wie die Autorin auf diese abgefahrene Idee gekommen ist. In diesem Interview erzählt sie:
“Eigentlich hatte ich diese ganze Jagdidee hinter mir gelassen und war damit beschäftigt eine Kriegsnovelle zu schreiben. Irgendwann habe ich einen kleinen Zeitungsbericht gelesen. Da ging es um den Präsidenten von Botswana, der Deutschland 20.000 Elefanten angeboten hat, weil Deutschland dieses Importgesetz von Elfenbein stringenter gemacht hat. Kurz danach hatte ich ein Radiointerview und ich habe mich selbst sagen hören, das wäre doch eine großartige Szene. Der Bundeskanzler wacht auf und da stehen tatsächlich 20.000 Elefanten in Berlin und dann kommt die Wahl. Da habe ich gedacht, ich hätte schweigen müssen. Denn wenn irgendein anderer Schriftsteller zugehört hat, dann schreibt der das. Das ist so eine tolle Szene, das will man doch schreiben. Das war der Anfang von “Das Geschenk”…” (Das ganze Interview hier)
Mein Fazit?
Dieses zweite nur 144-Seiten starke Buch hat mir etwas besser gefallen als das erste Buch. Vielleicht weil es hier in Berlin spielt und geografisch nicht so weit weg ist wie die Sawanne?! Das Gedankenspiel ist absolut spannend und die Nähe zu aktuellen und ehemaligen Regierungsmitgliedern der Bundesregierung macht Spaß.
Beide Bücher sind übersetzt von Lisa Mensing. Mehr zu ihrem zweiten Buch auch im Interview bei “Druckfrisch” hier.
Kennst du schon eines ihrer Bücher? Wie hat es dir gefallen? Erzähl mal!
Viele Lesegrüße
Deine Jules
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