
(enthält Werbung /Rezensionsexemplar) Im Rahmen der BuchConnection mit Eva Mallmann und dem Harper Collins Verlag sind wir in den Genuss des traurigschönen Romans “Tamara, bei Licht betrachtet” von Sarah Meyer-Dietrich gekommen. Hier findest du schon Evas Buchvorstellung dazu. Was mir an dem Roman so gut gefällt, erzähle ich dir heute.
Eine Reise zwischen Kunst, Mutterbildern und der Frage, wer wir wirklich sind
Manchmal sind es Bücher, die sich wie eine Ausstellung anfühlen. Man geht langsam hindurch, betrachtet einzelne Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln und entdeckt mit jedem Kapitel neue Details. Genau dieses Gefühl hatte ich bei „Tamara, bei Licht betrachtet“ von Sarah Meyer-Dietrich.

Worum geht es?
Marie hat sich mit ihrem Mann und ihrer Tochter ein eigenes Zuhause und eine gewisse Stabilität geschaffen. Doch als ihre Mutter Tamara stirbt, wird plötzlich alles infrage gestellt. Tamara war Künstlerin, oft abwesend und hatte die Familie früh verlassen, um in Berlin ihren eigenen Weg zu gehen. Auf der Suche nach Antworten begibt sich Marie auf eine Reise zwischen Lausitz, Berlin und dem Ruhrgebiet. Dabei versucht sie nicht nur, die Entscheidungen ihrer Mutter zu verstehen, sondern auch ihre eigene Rolle als Mutter neu zu betrachten.
Stellenweise war das Buch für mich hart zu lesen. Bin ich doch eine ganz andere Mutter als Tamara und Marie. Die gefühlskalte Erziehung der beiden mit ihren Töchtern war für mich manchmal schwer auszuhalten…
Sarah Meyer-Dietrich erzählt keine klassische Familiengeschichte. Vielmehr legt sie Schicht für Schicht frei, wie Erinnerungen, Verletzungen und Sehnsüchte unser Bild von anderen Menschen prägen. Die Autorin zeigt eindrucksvoll, dass Eltern für ihre Kinder oft ein Rätsel bleiben, selbst dann, wenn man glaubt, alles über sie zu wissen. Besonders gelungen fand ich die Verbindung von persönlicher Familiengeschichte mit gesellschaftlichen und regionalen Entwicklungen. Die Schauplätze im Ruhrgebiet, in Berlin und der Lausitz verleihen dem Roman zusätzliche Tiefe und schaffen eine Atmosphäre, die lange nachhallt.

Kunstliebe
Als jemand, der Museen und Kunstausstellungen liebt, hat mich vor allem die Kunstebene des Romans begeistert. Tamara ist Künstlerin, und ihre Werke werden zu einer Art Spiegel ihrer Persönlichkeit. Wie bei einem Besuch im Museum fragt man sich ständig: Was erzählt dieses Bild wirklich? Und wie viel sehen wir nur durch unsere eigene Brille?
Besonders spannend ist dabei das im Roman erwähnte Werk von Yves Klein, das im Kunstpalast Düsseldorf hängt uns auch eins meiner Lieblingswerke ist. Malt Tamara im Buch hingegen doch meistens in weiß und grau wie auf meinem Bild oben… Gerade dieser Bezug hat mich sofort angesprochen. Wer regelmäßig durch Museen streift, kennt dieses Gefühl: Man bleibt vor einem Kunstwerk stehen, weil es etwas in einem auslöst, ohne dass man sofort erklären könnte, warum. Im Roman wird Kunst nicht bloß zur Kulisse, sondern zu einem Schlüssel für Erinnerung, Identität und die Beziehung zwischen Mutter und Tochter.
Für mich waren diese Passagen die stärksten des Buches, weil sie Literatur und Kunst auf wunderbare Weise miteinander verbinden. Aber auch das Licht aus dem Titel spielt eine große Rolle, wie Eva es in unserem Beitrag hier zeigt.
Mein Fazit
„Tamara, bei Licht betrachtet“ ist ein ruhiger, kluger und emotionaler Roman über Mutterschaft, Verlust, Herkunft und Selbstfindung. Wer viel Action sucht, wird hier nicht fündig. Wer jedoch Bücher liebt, die Fragen stellen statt einfache Antworten zu geben, wird diesen Roman schätzen. Besonders empfohlen sei das Buch Leser*innen, die sich für Familiengeschichten, Kunst und die feinen Zwischentöne menschlicher Beziehungen und spannenden kurzen Kapiteln begeistern. Für mich war es wie ein Nachmittag in einem guten Museum: inspirierend, nachdenklich und voller Bilder, die noch lange im Kopf bleiben.
Wie ist das bei dir?
Helle Herbstsonnengrüße aus dem letzten Licht des Tages heute
Deine Jules
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